Ich fotografiere seit vielen Jahren, ursprünglich ohne einen festen Schwerpunkt und ohne den Anspruch, daraus mehr als ein persönliches Interesse zu machen. Eigentlich vornehmlich aus meiner Unfähigkeit heraus. etwas Erkennbares zeichnen zu können, ich aber trotzdem etwas Kreatives schaffen wollte. Meine erste Kamera – eine Canon 500N – war für mich vor allem ein Begleiter auf Reisen und bei Ausflügen. Landschaften, Städte, Alltagsbeobachtungen, also ziemlich alles, was mir interessant erschien.
Die Fotografie wurde für mich jedoch nicht über Nacht zu einer künstlerischen Ausdrucksform. Dieser Prozess entwickelte sich langsam über viele Jahre. Einen wichtigen Wendepunkt markierte meine Ausstellung Farben der Nacht Anfang 2020 im Switchboard, Bar und Café der Frankfurter AIDS-Hilfe. Dort wurde eines meiner Bilder mit den Arbeiten von Edward Hopper verglichen. Es handelte sich hierbei um Night People, hier auch zu sehen. Dieser Kommentar, der mich ehrte, nicht nur wegen des Vergleichs selbst, als auch wegen der Erkenntnis, dass meine Fotografien offenbar eine eigene, wiedererkennbare Bildsprache entwickelt hatten.
Seitdem arbeite ich bewusster an fotografischen Serien. Im Mittelpunkt stehen für mich weniger spektakuläre Motive als Atmosphäre, Licht und die Wirkung eines Ortes, die Ruhe der Nacht, das künstliche Licht, die Leere von Straßen und Plätzen, wenn sich das öffentliche Leben langsam ins Private zurückzieht. Vielleicht spielte dabei aber auch meine Vorliebe für Horrorfilme eine Rolle, die mich schon immer für Atmosphäre, Licht und das Unausgesprochene sensibilisiert hat. Warum mich wohl auch nächtliche Industrielandschaften ungemein faszinieren.
Wenn ich die Zeit finde, versuche ich auch, meine in meiner Kindheit gepflegten Leidenschaft für die Astronomie zu integrieren, inspriert von Fotografen wie Richard Tatti oder dem im Jahre 2024 leider viel zu jung verstorbenen Alyn Wallace, deren hinreißend nerdige Begeisterung mich einfach mitriss und animierte, es doch mal selbst zu versuchen. Da ich in einem Ballungszentrum mit hoher Lichtverschmutzung lebe, und die nächste geeignete Location (in meinem Fall ist das die Rhön) fast 2 Autostunden entfernt ist, komme ich leider nicht so oft dazu, wie ich es gerne hätte. Um so mehr freue ich mich, wenn ich dann doch einmal die Gelegenheit dazu habe. Zuletzt geschafft im September 2025 während unseres Urlaubs in Cornwall. Das Ergebnis ist Drift, unter den Nachtlandschaften zu finden.
Seit Ende 2022, als meine Eurasierhündin Sumi bei mir einzog, hat sich mein Interesse auch auf die Hundefotografie ausgeweitet. Dabei suche ich nicht nach Action oder Effekten, sondern nach Bildern, die dieselbe Ruhe und Präsenz besitzen, die mich schon an meinen nächtlichen Stadt- und Industrielandschaften fasziniert haben.

Nachts, wenn alle Katzen grau werden, taucht die Stadt in farbiges Licht ein. Farbige Lichter tanzen durch die Straßen und verwandeln die Oberflächen des Stadtraums und der Architekturen. Die Häuser geben durch erleuchtete Fenster plötzlich ihr Inneres preis. Der Fotograf Christian Rocas fängt die nächtlichen Situationen ein. Seine Bilder spiegeln malerische wie melancholische Momente wider. Und sie zeigen die Nachtschwärmer und Nestflüchter in den Räumen in einer an Edward Hopper erinnernden Manier: einzeln, vereinzelt, jeder für sich seiend inmitten der Metropole.
Christian Kaufmann
Geschäftsführung und künstlerische Leitung, Heussenstamm-Stiftung
Ausstellungen
2024
3.9. – 22.9.2024
Rush Hour. Montez
Gemeinschaftsausstellung mit Barbara Walzer, Rainer Raczinski and Levent Kunt als Teil des Kulturprojekts „Rush Hour“ um und über die Hanauer Landstraße.
Kunstverein Familie Montez, Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt am Main
2022
2.9 – 18.9.2022
views | interrupted
different perspectives of urban space
Gemeinschaftsausstellung mit rabirius und Sonja Ackermann.
Nebbiensches Gartenhaus, Bockenheimer Anlage 5, 60322 Frankfurt am Main
2020
17.1. – 22.2. 2020
Farben der Nacht
Switchboard Bar & Café. Alte Gasse 36, 60313 Frankfurt am Main
2017
26.1. – 5.5. 2017
Kalte Stadt
Switchboard Bar & Café. Alte Gasse 36, 60313 Frankfurt am Main